Individuell mit Insulinpumpe

Wer auf eine Insulinpumpen-Therapie umsteigt oder durch eine Folgeverordnung eine neue Insulinpumpe erhält, wird sich mit den Eigenschaften der einzelnen Pumpen beschäftigen, bevor er sich für ein Modell entscheidet.

Individuell mit Insulinpumpe

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Experte: Dr. Michael Müller, Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie und Hypertensiologie (ESH)

Unterschiedliche Insulinpumpen bieten unterschiedliche Features an. Relevant für die Entscheidung einer Insulinpumpe ist die Basalraten-Einstellung. Für Menschen, die viel und intensiv Sport treiben, kann es wichtig sein, die Basalrate manuell temporär anpassen zu können. Wer unterschiedliche Arbeitszeiten hat oder häufiger auf Reisen ist, möchte möglichst viele unterschiedliche Basalratenprofile festlegen können. „Kein Tag gleicht komplett einem anderen“, sagt Michael Müller. „Und es gibt unzählige Faktoren, die hier Einfluss nehmen. Solche, die wir aktiv beeinflussen können, und solche, die nicht in unserer Hand liegen. Mit der Basalrate, sagt der Diabetologe, versuche man im Prinzip, die Natur zu kopieren, also die Ausschüttung von Insulin aus dem Pankreas außerhalb der Mahlzeiten. Das kann – mithilfe einer Insulinpumpe und einem CGM- oder FGMSystem – auch ziemlich gut gelingen. Aber es befreit einen eben nicht davon, immer wieder zu testen, ob die dem Körper zugefügte Insulinmenge noch passend ist.

Wie häufig?
„Je häufiger, desto besser. Mindestens einmal jährlich und vor allem bei unerklärbaren Glukoseverläufen über einen längeren Zeitraum!“, lautet die Empfehlung von Dr. Müller. Und wie läuft ein Basalratentest ab? Es sollten Tagesabschnitte ausgewählt werden, in denen man nichts isst, und idealerweise sollte die letzte Mahlzeit drei bis vier Stunden zurückliegen. Möchte man am Vormittag die Basalrate überwachen, sollte nach dem Aufstehen bis mittags nicht gegessen und keine KH-haltigen Getränke getrunken werden. Die Basalinsulintherapie wird unverändert weitergeführt, wie geplant. (Morgens wird entweder noch Basalinsulin gespritzt oder man lässt den Rest vom letzten Tag wirken.) Wer den Nachmittag testen möchte, frühstückt und nimmt ab Mittag bis abends nichts mehr zu sich. Zwischenzeitlich wird stündlich der Blutzucker gemessen, gescannt oder eben über das CGM-System kontrolliert. Neben dem Verzicht auf Nahrungsaufnahme sollte während dieser Messungen ein ganz normaler Tagesablauf gewählt werden, intensivere körperliche Aktivitäten oder Sport sollten vermieden werden. Sinkt der Blutzucker während des Tests dennoch so stark ab, dass etwas gegessen werden muss, um eine Unterzuckerung zu vermeiden, dann ist das ein Hinweis darauf, dass die Basalrate nicht richtig eingestellt ist. Der Test sollte dann abgebrochen werden. Gleiches gilt für die Entwicklung hoher Blutzucker. Nach einem Gespräch mit dem Arzt, verbunden mit einer Anpassung der Basalrate, ist ein neuer Test ratsam. „Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie der eigene Körper tickt, ist Geduld erforderlich“, weiß Dr. Michael Müller. Gerade am Anfang und weil Einflussfaktoren so vielfältig sind: Wie verhält es sich mit körperlicher Aktivität? Ist man vielleicht seltener zu Fuß gegangen oder häufiger? Die Wenigsten treiben immer zur gleichen Zeit immer den gleichen Sport in der gleichen Intensität. Schwankungen sind da also normal. „Bei Patienten, die häufig an Hypoglykämien leiden, schauen wir immer auch auf die Basalrate“, sagt der Münchner Diabetologe.

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