Rückendeckung für Familien: Kinder mit Diabetes unterstützen

Rund 15 000 Kinder zwischen 0 und 14 Jahren leben in Deutschland mit einem Typ-1-Diabetes. Je jünger das Kind ist, desto schwieriger ist es für die Familie. Insbesondere, wenn es darum geht, eine qualifizierte Betreuung für den wichtigsten Menschen auf der Welt sicherzustellen.

Rückendeckung für Familien:
Kinder mit Diabetes unterstützen

Foto: privat

Ein Netzwerk, wie die Bischoffs es haben, ist Gold wert. Es gibt fitte und fürsorgliche Großeltern, die nur ein paar Straßen weiter wohnen, verständnisvolle und flexible Arbeitgeber und sowohl in Kita als auch Grundschule ein kooperatives, unerschrockenes Team. Den Alltag einer fünfköpfigen Familie zu stemmen, wenn beide Eltern in Vollzeit arbeiten, ist ohnehin schon herausfordernd genug. Mit zwei chronischen Erkrankungen im Gepäck ist jede weitere Schulter, die mittragen kann, von Vorteil. Johanna hat Typ-1-Diabetes, Helene hat Zöliakie. Die sechsjährigen Zwillinge sind dieses Jahr eingeschult worden. Johannas Diabetes-Diagnose fiel in die Zeit, in der das jüngste Familienmitglied Hannes gerade zur Welt gekommen war und Maike Bischoff nicht arbeiten ging. „Das war ein großes Glück, denn dadurch, dass ich ohnehin zu Hause war, war auch die Betreuung unserer damals dreijährigen Johanna in der ersten Zeit mit dem Diabetes sichergestellt.“ Gehadert mit der neuen Situation haben die Bischoffs nicht. „Wir wollten Johanna das Gefühl vermitteln, dass auch mit dem Diabetes alles weiter läuft wie bisher.“ Weil alle an einem Strang zogen, konnte Johanna nach kurzer Zeit wieder in der Krippe und später dann im dazugehörigen Kindergarten betreut werden. Ohne zu zögern, fuhr das Erzieher-Team der Krippe von Salzhausen nach Hamburg, um im Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK) an einer zweistündigen Schulung teilzunehmen. Selbstverständlich ist das nicht.

Die Schulung ist freiwillig
„Kindertagesstätten sind weder verpflichtet, ein Kind mit Diabetes aufzunehmen, noch müssen sich die Mitarbeiter schulen lassen, wenn sie nicht wollen“, sagt Janine Gerken, die seit vielen Jahren Kinder und Angehörige, Erzieher und Lehrer schult, berät und an das Thema Diabetes heranführt. „Aber“, so die Diabetesberaterin DDG, die im Auftrag des Altonaer Kinderkrankenhauses sowie freiberuflich unterwegs ist, „eine Betreuung ohne Schulung ist in meinen Augen kaum möglich.“ Es sei unerlässlich zu wissen, wann der Blutzucker den Normbereich verlässt und was dann zu tun ist. Ohne grundlegendes Wissen geht es nicht. „Die Diabetologie ist mittlerweile sehr technologisch geworden“, ergänzt Janine Gerken. In Deutschland erhält in der Regel jedes Kind bis zum 6. Lebensjahr eine Insulinpumpe. „Auch wenn die Insulin abgabe mehr oder weniger automatisch läuft, muss man wissen, wie die Insulinpumpe funktioniert.“ Wer geschult sei, fühle sich sicherer und dadurch weniger belastet. In den meisten Kitas und Grundschulen stößt man zwar auf skeptische, aber dennoch offene Ohren. Leider hört man aber auch von Eltern, die ihr Kind aus der Kita oder Schule nehmen, weil weder Leitung noch Team sich zuständig fühlen oder von Einrichtungen, die die Aufnahme eines Kindes mit Typ-1-Diabetes von vornherein ablehnen.

Fortsetzung folgt...

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