Forschung: Suche nach dem Mittel gegen Typ-1-Diabetes Teil 2

Weltweit wird viel geforscht, wenn es um die Ursachen und eine mögliche „Heilung“ von Typ-1-Diabetes geht.

Die menschliche DNA

© Artem Zamula - Fotolia.com

Zellbasierte Therapien (Stammzellen)
Im Prinzip lässt sich eine beliebige Zelle des Körpers in eine funktionierende Betazelle verwandeln, indem man sie isoliert, im Labor „umprogrammiert“ und anschließend transplantiert. Dies ist, sehr vereinfacht gesagt, der Ansatz der zellbasierten Therapien, wie sie beispielsweise Dr. Francesca Spagnoli vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin verfolgt. Sie hat ein Verfahren entwickelt, um Leberzellen in Zellen der Bauchspeicheldrüse umzuwandeln. In Versuchen mit Mäusen ist das Verfahren bereits gelungen, Dr. Spagnoli will nun untersuchen, ob es sich auf den Menschen übertragen lässt. In den USA haben Forscher im Labor kürzlich Hautzellen in funktionierende Betazellen umgewandelt und Mäusen transplantiert. Sie produzierten genug Insulin, um den Blutzucker stabil zu halten. Zwei Beispiele für einen Forschungsansatz, an dem intensiv gearbeitet wird.

Bioartificial Pancreas
Mit dieser eleganten Lösung wollen Forscher mögliche Probleme transplantierter Zellen umgehen. Sie verpacken die Zellen in „Behälter“. An der Universitätsklinik Dresden arbeitet man zum Beispiel mit einem „Bioreaktor“, den man sich wie eine kleine Dose mit Löchern vorstellen kann. Andere Forscher verwenden Kapseln aus Algen. Vorteile: Keine Zelle kann heraus und könnte sich, wie bei Stammzellen befürchtet, unkontrolliert verändern und Krebs verursachen. Medikamente gegen die Abstoßungsreaktion würden nicht benötigt und das Problem der Autoimmunität, also der erneuten Zerstörung der Zellen durch Antikörper, wäre ebenfalls gelöst. „Vielversprechend“, meint dazu Prof. Dr. Roger Lehmann.

Medikamente einsetzen
In Studien hat sich gezeigt, dass viele Typ-1-Diabetiker noch eine mehr oder weniger hohe Restproduktion von Insulin in verbleibenden Betazellen haben. Diese zu regenerieren bzw. zu vermehren, versuchen Forscher durch den Einsatz verschiedener Medikamente. Die Studien werden an Tieren oder Menschen durchgeführt, die neu an Typ-1-Diabetes erkrankt sind. Primäres Ziel ist es, den Diabetes „zurückzudrängen“. Ein Beispiel ist Alefacept, ein Wirkstoff, der das Immunsystem dämpft. 2015 wurden in den USA 30 neu diagnostizierte Typ-1-Patienten erfolgreich damit behandelt. Ihr Insulinbedarf konnte deutlich gesenkt, die Rate an Unterzuckerungen halbiert werden. Ein anderes Medikament, das in Studien anregend auf Betazellen gewirkt hat, ist der monoklonale Antikörper Denosumab. Eigentlich wird er zur Behandlung von Osteoporose eingesetzt. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft setzt auf eine Kombination von Antikörpern, um Betazellen zu regenerieren. Gute Ergebnisse haben damit Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover kürzlich erzielt. Sie behandelten Ratten im frühen Typ-1-Stadium mit einer Kombination aus den Antikörpern Anti-TNF-Alpha und Anti-TCR. Die Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen wurde nicht nur gestoppt, die Betazellen erholten sich auch wieder.

Kein kurzfristiger Durchbruch
Zugegeben: Das alles klingt sehr theoretisch, und es bleiben noch viele Fragen offen. Trotzdem zeigen die Ansätze, dass sich viel tut und es keinen Grund gibt, die Hoffnung auf eine Heilung des Typ- 1-Diabetes aufzugeben. Der Wille ist da, und vielleicht in Zukunft auch ein Weg.

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