Dr. Katarina Braune: Für offenen Umgang mit Diabetestherapien

Wenn Dr. Katarina Braune über „DIY-Closed-Loop“ spricht, spürt man vor allem eins: Sie ist überzeugt. Als Ärztin und Forscherin, Beiratsmitglied der AG Diabetes & Technologie der DDG sowie nicht zuletzt als Looperin ist sie mit den vielen Facetten des Diabetes vertraut.

Dr. Katarina Braune: Für offenen Umgang mit Diabetestherapien

© Chris Marxen

Es gibt derzeit nicht viele Vorträge, Symposien und Workshops, die ähnlich viele Besucher anlocken, wie jene, die das Thema Closed-Loop zum Inhalt haben. Zu den Referenten, die häufig am Rednerpult stehen, gehört Dr. Katarina Braune. Authentischer könnte eine Expertin kaum sein: Katarina Braune hat seit ihrem zwölften Lebensjahr Typ-1-Diabetes, seit ihrem dreizehnten trägt sie eine Insulinpumpe und vor zwei Jahren begann sie, selbst zu loopen. „Ich war schon immer sehr technikaffin“, erzählt die Dreißigjährige, die sich selbst zur ersten Digital Native Generation zählt. „Wir sind die Generation, die ihren Namen erst tippen und dann schreiben konnte.“ Geboren in Halle und aufgewachsen in Dresden, ist Katarina Braune früh mit Technik in Berührung gekommen. „Mein Vater ist Physiker und unser Haus war immer voll mit selbstgebautem technischen Zeug. Als Jugendliche habe ich mich für digitales Design und Programmieren interessiert. Auf den Geburtstagsfeiern meines Freundeskreises wurden auch gerne mal Computerspiele gespielt – sogenannte LAN-Partys, die sich mitunter über ein ganzes Wochenende hinzogen.“

Angst vor Hypos
Seit ihrer Kindheit ist der Diabetes ihr „freundschaftlicher“ Begleiter, dennoch habe sie mit ihrer Angst vor Hypoglykämien gehadert, als sie für ihr Studium erst in eine andere Stadt und dann ins Ausland zog. „Ich bin jemand, der gerne Eigenverantwortung übernimmt! Anderen hinsichtlich meines Diabetes Verantwortung zu übertragen oder nicht mehr in der Lage zu sein, mir selbst helfen zu können, das wollte ich vermeiden. Wie viele junge Menschen mit Diabetes hatte ich großen Respekt vor Hypos.“ Das abendliche Zubettgehen sei manchmal von der Sorge begleitet gewesen, im Schlaf zu unterzuckern und zu spät davon aufzuwachen, erzählt sie. Auch tagsüber habe sie als engagierte Medizinstudentin und später Ärztin in Leistungssituationen ihren Blutzucker lieber etwas zu hoch gehalten. „Stets in der ‚Sicherheitszone‘ und eigentlich immer zu weit oben.“ Seitdem sie mit „Loop for iOS” loopt, einem System, das über das von Apple entwickelte Betriebssystem iOS läuft, fühlt sie sich besser vor Hypos geschützt – und erreicht zudem HbA1c-Werte eines „Nicht-Diabetikers“. Wie hat ihr privates und berufliches Umfeld reagiert? „Mein Partner war sofort begeistert, er ist selbst technikaffin – außerdem wird er jetzt nachts nicht mehr von meinen Sensoralarmen und nächtlichen Picknicks geweckt“, freut sich Katarina Braune. In der Charité seien ihre Kollegen zunächst vorsichtig, aber sehr interessiert gewesen. Inzwischen ist die junge Ärztin nicht mehr die einzige im Team, die loopt.

Mutiges Vorbild
Dass sie Ärztin geworden ist, hängt weniger mit dem Diabetes, als vielmehr mit ihrer Oma zusammen, mit der sie als Kind viel Zeit verbracht hat. „Meine Oma ist eine sehr intelligente und emphatische Frau und wäre selbst gerne Ärztin geworden, konnte aber in der ehemaligen DDR ihren Beruf nicht frei wählen.“ Stattdessen, erzählt Katarina Braune, habe die Oma Kunstgeschichte studiert, nach dem Fall der Mauer ein Sanitätsund Reformhaus eröffnet und eine Ausbildung zur Heilpraktikerin absolviert. „Ich bin häufig bei ihr im Laden gewesen und habe viel über die Gesundheit und den Körper gelernt. Meine Oma war eine, von der alle gesagt haben, sie hat den Mut und das Gerechtigkeitsempfinden, den Mund aufzumachen und sich für andere einzusetzen! Sie war mein großes persönliches Vorbild und allein deshalb war der Arztberuf für mich ein Ziel.“

Fortsetzung folgt...

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