Mein Quarantänepartner: der Diabetes

Wenn ich mich durch verschiedene Blogs lese und Statusupdates in den sozialen Medien verfolge, wird eines sehr deutlich: Diese Zeit, die man plötzlich mit sich alleine verbringen muss, ist für viele schwer zu ertragen.

Mein Quarantänepartner: der Diabetes

© Pixabay

Und auch wenn ich selbst prinzipiell gut mit mir alleine sein kann, schließe ich mich da absolut mit ein. Wenn man Glück hat, verbringt man die freiwillige Quarantäne in einem Zuhause mit Menschen, mit denen man sich gut fühlt. Und ich will an diesem Punkt gar nicht weiter drauf eingehen, dass das wohl in wenigen Fällen rund um die Uhr auf irgendeine Hausgemeinschaft zutrifft. Also bleibt es doch dabei, sich auf sich selbst zu konzentrieren.

Es dreht sich in Bezug auf Menschen mit Diabetes zurzeit eine Menge um „Risikogruppe“ oder „keine Risikogruppe“. Wie sind die Maßstäbe von außen, wie ist meine eigene Wahrnehmung und was genau erwartet mich wirklich im Falle einer Infektion? Corona ist einfach allgegenwärtig. Manchmal mehr als die Ist-Situation des eigenen Diabetes, oder? Vielleicht kann aber der Blick genau darauf ermutigen.

Es gibt Momente, da schaffe ich es, nach dieser Idee zu handeln. Diese drei Gedanken gehören dazu:

  1. Ich sorge für meine Gesundheit – ich bin stark Den Diabetes zu managen ist eine große Aufgabe. Zumindest für mich. Und trotzdem bekomme ich es irgendwie hin – weder in vorbildlicher Weise noch mit Lehrbuch-haften Ergebnissen. Aber: Ich bekomme es hin. Ich sorge für meine Gesundheit in einer Zeit, in der zusätzlich gerade im Zweifel alles in meinem Leben anders ist. Was soll mir mehr verdeutlichen, wie stark ich bin? Der Gedanke daran tut gut.
  2. Ich bin ganz bei mir – der Blick auf meinen Diabetes Ich versuche mich selbst daran zu erinnern: Wie läuft es mit meinem Diabetes eigentlich gerade? Es geht mir nicht um irgendeine Therapie-Optimierung. Aber ist mir eigentlich – ganz wertfrei – bewusst, wie meine persönliche Diabetes-Situation gerade ist? Nach den vielen Jahren Typ-1-Diabetes ist das etwas, womit ich mich auseinandersetzen kann, was bekannt ist. Es sind Probleme, die ich wahrscheinlich schon öfter hatte und die ich vielleicht sogar lösen kann. Wenn ich mich nur darauf konzentriere, ist für einen Moment all das andere Chaos ein bisschen weiter weg.
  3. Emotionen ahoi – ich lasse einfach alles zu Je nachdem wie man Punkt 1 und 2 auffasst, klingt es vielleicht ein bisschen nach: So hilfreich ist es gerade, Diabetes zu haben. Auf eine Art und Weise wünsche ich mir selbst, das so zu sehen, aber ganz ehrlich: Nein! Nein, Diabetes zu haben ist nicht hilfreich. Aber zurzeit gibt es so vieles zu verarbeiten, dass automatisch alte Gefühle mit hochkommen und wir vielleicht die Chance haben, diese zuzulassen. Sofern es sich um keine psychische Indikation handelt, kann es einem danach wirklich besser gehen.

Zu Beginn der Corona-Krise wollte ich vieles umsetzen: Sport machen, Kleiderschrank ausmisten, neue Sprachen lernen – alles im Zeichen der Selbstoptimierung. Ich bin daran gescheitert und habe gemerkt, dass das nicht das ist, was ich gerade leisten kann. Darum ist es mein Ziel, soweit es geht mit mir selbst auf erträgliche Weise durch diese Zeit zu kommen. Und dazu zählt eben, mir vor Augen zu führen, was ich durch den Diabetes im Alltag leiste. Genauso wie ihr.

Katharina Weirauch

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