Telemedizin in der Kinder-Diabetologie Teil II

Seit Juli 2017 läuft die Studie, an der insgesamt 240 Kinder im Alter von ein bis 16 Jahren teilnehmen.

Telemedizin in der Kinder-Diabetologie

Foto: privat

Nach zwölf Monaten Telemedizin hatten die Familien die Möglichkeit, zu entscheiden, ob sie aussteigen oder bis Ende 2019 weitermachen wollen – die allermeisten entschieden sich für die Fortsetzung. So auch Familie Schnack mit Ole Johann. Der Neunjährige hat seit inzwischen 4,5 Jahren Typ- 1-Diabetes und trägt eine Insulinpumpe. Seit etwa drei Jahren trägt Ole zusätzlich einen Sensor, der kontinuierlich die Gewebeglukose misst. „Ich sehe mir oft abends die Kurven an,“ sagt seine Mutter, „und wenn ich feststelle, dass der Blutzucker täglich zur selben Zeit zu hoch oder zu niedrig ist „dann passe ich die Basalrate entsprechend an.“ Als Martina Schnack von der Telemedizinstudie erfuhr, meldete sie Ole umgehend an. „Ich kann nur Vorteile erkennen“, sagt die dreifache Mutter. Seit sie die telemedizinische Beratung in Anspruch nähmen, müssten sie nur noch einmal im Quartal für die Rezepte in die diabetologische Ambulanz nach Lübeck fahren. Allein das sei eine riesige Erleichterung, denn mit Anfahrt, Wartezeit und Beratung vor Ort sei ein ganzer Nachmittag dahin. Den Termin für die Videosprechstunde könne man in die Abendstunden oder sogar auf das Wochenende legen. „Man sitzt zuhause, muss keine Betreuung für die anderen Kinder organisieren oder früher das Büro verlassen.“ Auch für Ole sei es deutlich entspannter, und dadurch, dass sich während der monatlichen Online-Sprechstunden viele Fragen bereits klären lassen, nehme der Aufenthalt in der Ambulanz wesentlich weniger Zeit in Anspruch.

Die Videosprechstunde
Ein bis zwei Tage vor dem Termin erhalten die Studienteilnehmer die Aufforderung, CGM- und ggf. Pumpendaten in einen Cloud-Server hochzuladen. Der Telemedizinarzt zieht sich die Daten aus der Cloud oder bekommt alternativ von den Eltern eine PDF-Datei über eine verschlüsselte EMail. Nach Auswertung der Daten schickt der Arzt den Patienten eine verschlüsselte Empfehlung zurück. Bereits vor der eigentlichen Videosprechstunde wissen also alle Beteiligten, worum es geht. Die Videosprechstunde ist als Plattform im Internet lokalisiert, die Familien wählen sich über ein TAN-Passwort in das virtuelle Wartezimmer und werden dort vom Arzt „in die Sprechstunde“ geholt. Familie und Arzt können sich sehen, beide haben Einsicht in den Bildschirm mit den Daten, die dann gemeinsam besprochen werden. Ein Termin dauert maximal 30 Minuten, je länger eine Familie dabei ist, umso Osterferien auf den Kanaren: Ole Johann Schnack in seinem Element. Grundlage für die Online-Beratung sind die Daten der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM). kürzer werden in der Regel die Sitzungen. Manchmal sei das Gespräch nach 15 Minuten beendet, manchmal – so wie kürzlich vor dem anstehenden Urlaub auf Teneriffa – „dauert es etwas länger“, erzählt Martina Schnack. Schwierigkeiten mit der Installation der Software habe sie nicht gehabt. Ebensowenig wie Bedenken hinsichtlich des Hochladens der Daten. „Ich bin für jede technische Unterstützung dankbar. Die Kinder und Jugendlichen wachsen heute damit auf und die vierwöchige Videosprechstunde ist wie eine kleine regelmäßige Schulung. Man lernt, die Daten und Grafiken der Glukosewerte zu interpretieren.“

Wie geht es weiter?
Um den Einfluss der neuen Versorgungsform auf Stoffwechsellage, Lebensqualität und Zufriedenheit zu evaluieren, werden behandelte Kinder mit jenen verglichen, die erst später an der neuen Versorgungsform teilnehmen. Bis Ende 2019 können Studienteilnehmer noch von der monatlichen Online-Beratung profitieren. Anschließend werden die Studiendaten ausgewertet. „Ich hoffe sehr und gebe alles, dass Telemedizin für Kinder mit Diabetes zur Regelversorgung wird“, sagt Dr. Simone von Sengbusch.

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