Tipps zur Bolusberechnung

Verzögerten oder verlängerten Bolus programmieren

Längere Mahlzeiten (Buffets, Mehrgänge-Menüs)

Ausgangsproblem:

Wenn sich ein Mehrgänge-Menü oder ein Essen am Buffet über mehrere Stunden hinzieht, müsste zwischendurch immer wieder ein neuer Bolus abgegeben werden. Das ist lästig, weil man eigentlich den Abend genießen möchte – ohne sich dauernd Gedanken über den Diabetes machen zu müssen.

Die Lösung:

Auch hier empfehlen sich der verzögerte/verlängerte Bolus bzw. der Multiwave/Dual/Combo-Bolus. Die gewählte Bolusmenge wird zunächst geschätzt. Stellt sich im Laufe des Essens heraus, dass der Bolus zu niedrig gewählt war, kann ein einmaliger Bolus nachgegeben werden. War der verzögerte/verlängerte Bolus dagegen zu hoch gewählt, kann er jederzeit abgebrochen werden. Aber Vorsicht bei einem verzögerten Bolus: Bitte dabei die Wirkdauer des Insulins beachten und nicht zu früh den Blutzuckerwert korrigieren. Startzeitpunkt ist dabei nicht der Zeitpunkt des Bolusstarts, denn das Insulin wird über die voreingestellte Zeit allmählich abgegeben.

 

Grafik zur Wirkdauer von Insulin - insbesondere verzögertem oder verlängertem Bolus.

Verzögerten oder verlängerten Bolus programmieren

Display zeigt verzögerten/verlängerten Bolus an.

Mahlzeiten mit hohem Fettanteil und vielen durch Fett gebundenen Kohlenhydraten („Pizzabolus“)

Ausgangsproblem:

Fett verzögert die Aufnahme der Kohlenhydrate ins Blut. Dadurch kommt es bei Mahlzeiten mit hohem Fettanteil, wie z. B. Pizza, Lasagne, Tiramisu oder Gyros mit Pommes Frites zu einem verzögerten Anstieg des Blutzuckers. Das Gleiche gilt bei Mahlzeiten, die Hülsenfrüchte enthalten (z. B. Erbsen- oder Linseneintopf).

Würde man bei diesen Mahlzeiten die komplette Bolusmenge vor dem Essen auf einmal abgeben, käme es

  • nach ca. 1 - 1,5 Stunden zu einer Unterzuckerung, weil das Insulin bereits wirkt, während die Kohlenhydrate noch nicht im Blut angekommen sind (bei Verwendung eines schnell wirkenden Insulinanalogons);
  • nach ca. 4 - 5 Stunden zu einem starken Anstieg des Blutzuckers, weil nun die Kohlenhydrate wirken, das Insulin aber nicht mehr.

Die Lösung:

Einsatz des verzögerten/verlängerten Bolus bzw. des Multiwave-, Dual- oder Combo-Bolus. Die Bolusvariante hängt vom Ausgangsblutzucker ab:

  • Der Blutzuckerwert ist vor der Mahlzeit im Normbereich.
  • Verzögerten/verlängerten Bolus wählen.
  • Hier wird der für die gesamte Mahlzeit benötigte Bolus in kleinen Mengen verteilt über einen gewählten Zeitraum abgegeben.
  • Der Blutzuckerwert ist vor der Mahlzeit erhöht und muss zunächst korrigiert werden.
  • Multiwave-/Dual-/Combo-Bolus wählen.
  • Hier gibt die Insulinpumpe zunächst eine Korrekturdosis ab, die den Blutzucker in den Normbereich senkt. Daran schließt sich die Abgabe des verzögerten/verlängerten Bolus an. (Beispiel: Insgesamt 13 Einheiten, davon 3 sofort und 10 verzögert.)

Wird zu einer wie oben beschriebenen Mahlzeit z.B. ein Saft getrunken, kann es erforderlich sein, auch den Saft durch einen Sofort-Anteil des Bolus mit Insulin abzudecken. Hier hilft nur, es auszuprobieren und eigene Erfahrungen zu sammeln.